ETA 2892-A2: Bauhöhe, Gangreserve und Quellenvergleich

Das ETA 2892-A2 ist ein Automatikwerk mit zentraler Zeitanzeige und Datum. Im Herstellerportal steht die Bezeichnung als 2892A2. [1] Für einen belastbaren Vergleich reicht der Kalibername allein jedoch nicht: Bei der Gangreserve nennen die hier gelesenen ETA-Unterlagen unterschiedliche Werte. Dieser Beitrag hält Dokumentdatum, Kennzeichnung und eigene Beobachtungen auseinander.

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die jeweils bezeichneten Quellen. Sie sind keine Messung an einer konkreten Uhr und kein Nachweis, welches Werk in einem einzelnen Angebot tatsächlich verbaut ist.

Acht Angaben zum dokumentierten ETA 2892A2

MerkmalHerstellerangabe und Bezug
AufzugAutomatik, beidseitig aufziehend [1]
Anzeigen und BedienfunktionenZentrale Stunde, Minute und Sekunde; Datum mit Schnellkorrektur; Sekundenstopp beim Zeiteinstellen [1]
Werkdurchmesser25,60 mm [1–2]
Werkhöhe3,60 mm [1–2]
Frequenz28.800 Halbschwingungen pro Stunde; 4 Hz [1–2]
Lagersteine21 [1–2]
Gangreserve im ProduktportalTypisch 50 Stunden; Abruf am 19. Oktober 2026 [1]
Hebewinkel51° laut technischer Mitteilung vom 13. Februar 2019 [2]
Quellengebundene Angaben, keine Ergebnisse eines gemeinsamen Tests. Die technische Mitteilung von 2019 nennt für die Gangreserve einen anderen Wert; siehe den folgenden Vergleich.

42 oder 50 Stunden: Was steht tatsächlich in den Quellen?

Gelesene ETA-QuelleAngabe zur Gangreserve
Technische Mitteilung, Version 15, 13. Februar 2019 [2]42 h unter Running time; ohne Kennzeichnung als Minimum oder typischer Wert.
Produktportal, abgerufen am 19. Oktober 2026 [1]50 Stunden, ausdrücklich als typisch gekennzeichnet.
Der Abrufzeitpunkt der Webseite ist kein Datum einer technischen Änderung. Die beiden Angaben werden hier nicht zu einer gemeinsamen Spezifikation zusammengeführt.

Es wäre falsch, daraus ohne weiteren Beleg „Minimum 42, typisch 50 Stunden“ zu machen. Ebenso wenig belegen diese beiden Quellen, in welchem Jahr ein einzelnes Bauteil geändert wurde oder welche Ausstattung eine ältere Uhr besitzt. Die Zuordnung des Unterschieds zu konkreten Werkversionen bleibt mit diesen Unterlagen offen.

Für die eigene Uhr sind deshalb ihre Referenz, die zugehörige Herstelleranleitung und gegebenenfalls eine Auskunft zum verbauten Werk wichtiger als eine undatierte Zahl aus einem Angebot. Uhrwerk-Datenblätter lesen zeigt, welche Angaben zusammengehören. Ein älterer Beleg wird durch einen neueren Webseitenabruf nicht automatisch ungültig; sein Geltungsbereich muss geklärt werden.

Was die Werkhöhe aussagt – und was sie offenlässt

3,60 mm beschreiben das Werk, nicht die vollständige Uhr. Gehäuseboden, Zifferblatt, Zeigerraum und Glas gehören zum Aufbau der fertigen Uhr. Eine geringe Werkhöhe ist deshalb kein Beleg für eine bestimmte Gesamthöhe, und zwei Uhren mit demselben Basiskaliber können sich am Handgelenk deutlich unterscheiden.

Bei einer Markenbezeichnung oder einer Ausführung mit zusätzlichen Funktionen sollte außerdem geklärt werden, worauf sich die veröffentlichte Höhe bezieht. Ein Wert für das Basiswerk darf nicht ohne Prüfung als Höhe einer gesamten Kombination mit zusätzlichen Bauteilen übernommen werden.

Vergleich mit dem Sellita SW300-1

MerkmalETA 2892A2Sellita SW300-1
Werkhöhe3,60 mm3,60 mm
Lagersteine2125
Typische Gangreserve50 Stunden laut Produktportal [1]56 Stunden laut Version 08 vom 20. November 2024 [3]
ETA-Angaben aus [1–2], Sellita-Angaben aus [3]. Der Vergleich stellt Quellenwerte gegenüber, keine unter gleichen Bedingungen getesteten Uhren.

Die Sellita-Unterlage nennt zusätzlich ein Minimum von 50 Stunden. [3] Diese 50 Stunden haben also eine andere Kennzeichnung als die 50 Stunden im ETA-Portal. Einzelheiten zur dokumentierten Sellita-Ausführung stehen im Profil Sellita SW300-1.

Aus der unterschiedlichen Steinzahl folgt keine pauschale Rangfolge. Entscheidend ist, welche Funktion die Lagerstellen in der jeweiligen Konstruktion erfüllen. Das erläutert Steine im Uhrwerk. Ebenso wenig beweist die gleiche Werkhöhe eine direkte Austauschbarkeit. Bei einem geplanten Uhrwerktausch müssen unter anderem Einbau, Befestigung, Welle, Zeiger und Datumsausführung zur konkreten Uhr passen.

Automatik und Datum: Funktionen sind noch keine Bedienanleitung

Beidseitiger Automatikaufzug beschreibt die Aufzugsfunktion, nicht den Ladezustand nach einem bestimmten Tragetag. Für die Frage, ob eine Uhr ausreichend aufgezogen wurde, bleiben Bewegung, Dauer und Ausgangszustand relevant. Aus einer Kaliberangabe lässt sich keine feste tägliche Tragedauer ableiten.

ETA beschreibt die Datumsanzeige als halbschnell schaltend. [1] Daraus folgt kein garantiert schlagartiger Wechsel exakt um Mitternacht. Für Kronenstellungen und die erlaubte Benutzung der Schnellkorrektur gilt die Anleitung der konkreten Uhr. Der Beitrag Datum richtig einstellen hilft, Herstellerangaben einzuordnen; eine allgemeine Sperrzeit für sämtliche Uhren mit diesem Kaliber wird hier nicht festgelegt.

Eigene Messung: Quelle und Versuch getrennt dokumentieren

Bei einem Versuch zur Gangreserve gehören Aufzugsverfahren, Startzeit, Stillstand und mögliche Bewegung während des Versuchs ins Protokoll. Erst dann lässt sich das Ergebnis sinnvoll mit einer passenden Herstellerangabe vergleichen. Eine einzelne Laufzeit erklärt nicht, ob eine Abweichung von Bedienung, Prüfbedingungen oder dem Zustand der Uhr stammt.

Der Hebewinkel in der ersten Tabelle stammt ausdrücklich aus der technischen Mitteilung von 2019. Wer ihn für eine Zeitwaage verwendet, dokumentiert diese Quelle und prüft die Zuordnung zum untersuchten Werk. Hebewinkel an der Zeitwaage erläutert den Einfluss auf die Amplitudenberechnung. Der eingestellte Winkel ist kein gemessener Zustand der Uhr; Aufzug, Messlage und Messdauer bleiben zusätzliche Angaben.

Sechs Felder für Quellenvergleich und eigene Uhr

Diese Vorlage ergänzt das Uhren-Prüfprotokoll. Nicht bekannte Angaben bleiben offen. Ein Quellenwert wird nicht als eigene Messung eingetragen.

1. Uhr / Referenz / vollständige Werkbezeichnung / Zuordnungsbeleg: [eintragen]
2. Quelle / Dokumentversion / Dokumentdatum oder Abrufdatum: [eintragen]
3. Gangreserve laut Quelle / genaue Kennzeichnung / offene Abweichungen: [eintragen]
4. Eigener Laufzeittest / Aufzug / Start / Stillstand / zwischenzeitliche Bewegung: [eintragen oder nicht gemessen]
5. Zeitwaage / Frequenz / Hebewinkel samt Quelle / Lage / Aufzug / Dauer: [eintragen oder nicht gemessen]
6. Ergebnisse / Unsicherheiten / erforderliche Rückfrage an Hersteller oder Werkstatt: [eintragen]

English summary

Keep the dated ETA technical document separate from the current product listing: the running-time figures differ, and their labels must not be combined into a new specification. This profile also compares documented ETA and Sellita values without claiming interchangeability or a quality ranking. No physical sample was tested.

Quellen und Transparenz

[1] ETA: Produktinformation 2892A2. Beim Abruf am 19. Oktober 2026: Funktionen und typische Gangreserve von 50 Stunden; kein Veröffentlichungsdatum angegeben.

[2] ETA: Technische Mitteilung 2892A2, CT 2892A2 ESI 398773 15 vom 13. Februar 2019. PDF-Seite 1: Maße, Frequenz, Lagersteine, 51° Hebewinkel und Running time 42 h ohne Zusatz Minimum oder typisch.

[3] Sellita: Technische Dokumentation SW300-1, Version 08 vom 20. November 2024. Vergleichswerte auf PDF-Seite 1: Höhe, Lagersteine sowie Mindest- und typische Gangreserve.

Redaktioneller Stand: 19. Oktober 2026. Grundlage sind zwei ETA-Veröffentlichungen und eine Sellita-Dokumentation, keine drei unabhängigen Tests. Die Einordnung des Quellenunterschieds und die Hinweise zur Dokumentation sind redaktionelle Beiträge. Ein Änderungsjahr, die Ausstattung sämtlicher Baujahre oder ein historischer Goldgena-Einsatz dieses Kalibers werden nicht behauptet.

Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts oder von CODE41. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Die Quellen sind keine Empfehlung dieses heutigen Geschäfts.