Steine im Uhrwerk: Was 21, 25 oder 26 Jewels bedeuten

21, 25 oder 26 Jewels bezeichnet bei den hier behandelten Uhrwerken die angegebene Zahl der Werksteine. Diese erfüllen technische Aufgaben, etwa an Lagerstellen und in der Hemmung. Die Zahl ist eine Konstruktionsangabe, keine Qualitätsnote. Aus ihr allein lässt sich weder die Ganggenauigkeit noch die Herkunft eines konkreten Werkes ablesen.

Quellenstand: 10. Oktober 2026. Wir erläutern Herstellerunterlagen und Angaben des Seiko-Museums. Für diesen Beitrag wurde kein Uhrwerk geöffnet, untersucht oder nachgezählt. Die Kaliberdaten sind keine eigenen Messungen und kein Nachweis über ein historisches Goldgena-Exemplar.

Sind das echte Edelsteine?

In modernen Uhrwerken kommen häufig synthetisch hergestellte Rubine zum Einsatz. A. Lange & Söhne beschreibt sie als verschleißfeste Bauteile, die Reibung vermindern, und verweist auf die gleichmäßigere Kristallstruktur gegenüber natürlichem Rubin. [1] „Synthetisch“ bezeichnet hier die Herstellung des Materials; es ist kein Hinweis auf einen minderwertigen Ersatz für ein eigentlich benötigtes Naturjuwel.

Die Bezeichnung „Jewels“ im Datenblatt darf deshalb nicht mit einem Schmuckbesatz aus Diamanten an Gehäuse oder Zifferblatt verwechselt werden. Für den Werkstein zählt seine technische Aufgabe. Das Seiko-Museum nennt neben synthetischem Rubin auch Saphir als mögliches Material. [2] Weder ein Schmuckwert noch die genaue Materialspezifikation jedes einzelnen Steins ist aus der Gesamtzahl abzuleiten.

Welche Aufgaben übernehmen Werksteine?

Räder und Unruh bewegen sich auf Wellen beziehungsweise Zapfen. An den Kontaktstellen sind geeignete Lagerflächen nötig. Das Seiko-Museum erklärt den Einsatz harter Steine, um diese Stellen gegen Verschleiß widerstandsfähig zu machen. [2] Es geht um die Funktion im bewegten Mechanismus, nicht nur um farbige Punkte auf einer Brücke.

Lochsteine besitzen eine Öffnung zur Lagerung eines Zapfens. Decksteine haben keine solche Durchgangsöffnung und ergänzen bestimmte Lager an den Enden der Welle. Ein Lager kann daher aus mehr als einem Stein bestehen. Die Steinzahl ist folglich nicht einfach die Zahl der gelagerten Räder. [2]

Zur Schutzfunktion an der Unruhlagerung ergänzt Stoßsicherung im Uhrwerk: Funktion und Grenzen die Erklärung der Werksteine. Der Beitrag ordnet Herstellerbeispiele ein und zeigt, welche zusätzlichen Belege für Aussagen über die Stoßfestigkeit einer konkreten Uhr nötig sind.

Auch in der Hemmung finden sich Funktionssteine, etwa die Paletten am Anker und der Impulsstein. [2] Sie sind keine gewöhnlichen Lochlager. Der verbreitete Ausdruck „Lagersteine“ beschreibt deshalb nicht jede Aufgabe, die hinter der gesamten Steinzahl eines Werkes stehen kann.

Das Zusammenspiel von Paletten, Anker und Ankerrad erläutert Hemmung im Uhrwerk: Ankerrad, Anker und Impuls. Dort werden Funktionsprinzip und Herstellerangaben getrennt von Leistungsnachweisen betrachtet.

21, 25 und 26 Steine: drei konkrete Kaliber

KaliberHerstellerangabe und Einordnung
Miyota 82S721 Steine laut aktueller MIYOTA-Produktseite. Die Zahl gehört zum genannten Kaliber und ersetzt keine Prüfung eines konkreten Exemplars. [3]
ETA 2824-225 Steine laut ETA. Die Angabe bezieht sich ausdrücklich auf das 2824-2; sie wird hier nicht auf jede historisch ähnlich benannte Variante übertragen. [4]
Sellita SW200-126 Steine laut technischer Dokumentation, Revision 07 vom 02.09.2024. Steinzahl und Ausführungsstufe sind getrennte Angaben. [5]
Herstellerdaten [3–5], keine Rangfolge der Werkqualität. Die Kalibernamen führen zu den vorhandenen Detailprofilen.

Beim Lesen eines Angebots sollte zuerst die vollständige Kaliberbezeichnung feststehen. Eine Zahl ohne Hersteller, Werkbezeichnung und passende Quelle lässt sich kaum sinnvoll einordnen. Auch ein Markenname auf der Uhr ersetzt diese Zuordnung nicht. Die Tabelle vergleicht dokumentierte Angaben, keine von uns geöffneten Uhren.

Bedeutet mehr Steine automatisch bessere Qualität?

Mehr Funktionssteine können mit zusätzlichen Mechanismen oder einer anderen Lagerung zusammenhängen. Daraus entsteht aber keine allgemeine Skala, auf der 26 automatisch besser als 25 und 25 automatisch besser als 21 wäre. Für eine solche Bewertung fehlen in der Zahl Informationen über Konstruktion, Ausführung, Zustand und tatsächlich gemessenen Gang.

Ein konkretes Beispiel liefert Sellita: Die Dokumentation des SW200-1 nennt 26 Steine und führt daneben unterschiedliche Ausführungen wie Elaboré, Top und Chronomètre mit getrennten Prüfvorgaben auf. [5] Die Steinzahl allein weist also weder die vorliegende Ausführungsstufe noch die Zertifizierung einer bestimmten Uhr nach. Dafür sind gesonderte, dem Exemplar zuordenbare Unterlagen erforderlich.

Ebenso wenig erklärt der Abstand von einem Stein zwischen ETA 2824-2 und SW200-1 schon, an welcher Stelle sich ihre Konstruktionen unterscheiden. Dazu müssen die zugehörigen technischen Zeichnungen und Teilelisten betrachtet werden. Aus einer Subtraktion lässt sich weder eine längere Lebensdauer noch eine bestimmte Gangverbesserung berechnen.

Was sagt eine Gravur oder ein Foto aus?

Eine Aufschrift wie „25 Jewels“ dokumentiert zunächst eine Kennzeichnung. Sie ist keine von der Beschriftung unabhängige Kontrolle des eingebauten Werkes. Für die Zuordnung eines Exemplars sind passende Unterlagen und ausreichend aussagekräftige Ansichten nötig. Der Leitfaden Uhrwerk-Herkunft prüfen trennt Herstellerangabe und Beleg am konkreten Werk.

Auch das Zählen sichtbarer Steine auf einem Foto ist keine vollständige Bestandsaufnahme. Halten Sie fest, welche Ansicht vorliegt und welche Bereiche nicht einsehbar sind. Weniger erkennbare Punkte als im Datenblatt sind für sich genommen noch kein Beweis für fehlende Teile. Umgekehrt bestätigt ein passender Aufdruck nicht sämtliche technischen Angaben.

Drei Fragen für den Vergleich

Welches Werk genau? Notieren Sie die vollständige Kaliberbezeichnung und die Quelle der Steinzahl. Angaben zu einer anderen Variante bleiben getrennt.

Welche Aussage soll die Zahl belegen? Für die Werkdaten ist sie nützlich. Für Ganggenauigkeit, Wartungszustand oder eine behauptete Herkunft braucht es jeweils passende weitere Belege.

Was wurde tatsächlich geprüft? Unterscheiden Sie Datenblatt, Gravur, Foto und fachliche Untersuchung. Kennzeichnen Sie offene Punkte, statt aus einer plausiblen Zahl eine geprüfte Eigenschaft zu machen.

Die optische Gestaltung eines Werkes ist eine weitere Ebene. Der Beitrag zur Uhrwerk-Finissierung erklärt die Abgrenzung von Dekoration und belegter Funktion. Eine auffällige Präsentation und eine hohe Steinzahl ersetzen die technische Begründung einer Qualitätsaussage nicht.

Quellen und Transparenz

[1] A. Lange & Söhne: Angaben zu Materialien – Lagersteine. Technisch hergestellte Rubine als Funktionssteine; Einsatzbereiche und Materialeigenschaften.

[2] The Seiko Museum Ginza: Why are Stones Required in Watches?. Loch- und Decksteine sowie Steine am Anker und Impulsstein; Zusammenhang mit Lagerung und Verschleiß.

[3] MIYOTA: Produktseite 82S7. Die aktuelle Produktseite nennt 21 Steine.

[4] ETA: Produktseite 2824-2. Die deutsche Produktseite nennt 25 Steine.

[5] Sellita: Technische Dokumentation SW200-1 (PDF). Revision 07 vom 02.09.2024: 26 Steine auf PDF-Seite 1 und 3; Ausführungen und Gangvorgaben auf Seite 4–5.

Die Quellen wurden am 10. Oktober 2026 gelesen. Die Hinweise zum Vergleichen und Dokumentieren sind redaktionelle Schlussfolgerungen aus dem Umfang der verfügbaren Angaben. Für diesen Beitrag liegen keine eigenen Werkprüfungen oder bereitgestellten Testmuster vor.

Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts oder von CODE41. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Die genannten Hersteller empfehlen damit weder diesen Betreiber noch dessen Produkte.