Zentralrotor, Mikrorotor und peripherer Rotor: Unterschiede

Zentralrotor, Mikrorotor und peripherer Rotor beschreiben die Anordnung der Schwungmasse im Automatikwerk. Sie beantworten nicht dieselbe Frage wie „einseitiger oder beidseitiger Aufzug“. Auch Werkhöhe, Aufzugsleistung und Gangreserve müssen jeweils gesondert betrachtet werden.

Ein Zentralrotor schwenkt um eine mittige Achse über dem Werk. Ein Mikrorotor ist eine kleinere, dezentrale Schwungmasse, die in die Werkarchitektur integriert wird. Ein peripherer Rotor liegt am äußeren Rand des Kalibers. Die folgenden Beispiele ordnen diese Bauformen anhand veröffentlichter Unterlagen ein. Für den Beitrag wurde keine Uhr geöffnet oder auf Aufzugsleistung getestet. [1–4]

Die Schwungmasse und ihre Position unterscheiden

Horopedia beschreibt den Rotor als bewegliche Masse, deren Bewegung über den Automatikmechanismus zum Aufziehen genutzt wird. Bei einer zentralen Anordnung bewegt sie sich über der Werkfläche. Als andere Konstruktion nennt das Fachlexikon eine kleinere, dezentral in die Werkfläche integrierte Masse, den Mikrorotor. [1]

Bei der Bildbetrachtung ist deshalb zunächst die Anordnung interessant: Wo liegt die Drehachse, und welchen Bereich überstreicht das bewegliche Teil? Ein einzelnes Foto kann Teile verdecken. Wenn die Zuordnung nicht klar ist, sollte die Herstellerbeschreibung entscheiden und die Beobachtung als unvollständig vermerkt werden.

Drei dokumentierte Beispiele

BauformBenanntes BeispielHerstellerangabe zur SchwungmasseWerkhöhe
ZentralrotorPatek Philippe 26-330 S [2]Zentralrotor aus 21-karätigem Gold.3,32 mm
Mikrorotor / MinirotorPatek Philippe 240, Basiseintrag [3]Dezentraler Minirotor aus 22-karätigem Gold.2,53 mm
Peripherer RotorBreguet 581 in der Marine Tourbillon 5577 [4]Am Rand angeordnete Schwungmasse.3 mm
Herstellerangaben zu drei verschiedenen Konstruktionen. Die Höhen betreffen das Werk, nicht die vollständige Uhr; die Tabelle ist kein Effizienz- oder Qualitätsranking.

Die genaue Versionsbezeichnung ist wichtig. Auf der Patek-Seite stehen mehrere Varianten der Familie 26-330 mit unterschiedlichen Funktionen und Höhen. Hier wird der Eintrag 26-330 S verwendet, nicht eine pauschale Zahl für die gesamte Familie. [2] Ebenso bezieht sich der zweite Wert auf den Basiseintrag 240. [3] Den methodischen Abgleich erklärt Uhrwerk-Datenblatt lesen.

Was die Bauform über die Höhe sagen kann

Ein integrierter Mikrorotor ist eine Möglichkeit, den Aufbau anders zu organisieren als mit einer darüberliegenden zentralen Schwungmasse. [1] Daraus folgt jedoch keine feste Gehäusehöhe. Für eine vollständige Uhr werden zusätzlich Gehäuse, Glas, Anzeigen und weitere Konstruktionselemente relevant; vergleichen Sie daher dieselbe Maßebene.

Breguet verbindet beim Kaliber 581 die Bauhöhe von 3 mm ausdrücklich mit dem peripheren Rotor. Die betreffende Marine 5577 ist als vollständige Uhr mit 9,4 mm Höhe angegeben. [4] Dieses konkrete Beispiel zeigt, warum „3 mm Werkhöhe“ nicht als „3 mm dicke Uhr“ übernommen werden darf. Uhrenmaße richtig lesen hilft beim Zuordnen solcher Angaben.

Die drei Werte der Tabelle stammen außerdem von Werken mit unterschiedlichen Konstruktionen und Funktionen. Sie sind keine Messreihe, bei der nur die Rotorposition verändert wurde. Eine Aussage wie „der Rotor spart immer genau diesen Millimeterbetrag“ lässt sich daraus nicht ableiten.

Rotorposition ist nicht gleich Aufzugsrichtung

Mit der Bauform wird die räumliche Anordnung beschrieben. Die Aufzugsrichtung betrifft dagegen die Frage, in welcher Drehrichtung die Bewegung tatsächlich zum Spannen der Zugfeder beiträgt. Für diese Angabe braucht es die passende Kaliberunterlage; die Rotorform allein beantwortet sie nicht.

Wer diese beiden Ebenen vermischt, kann ein Foto korrekt beschreiben und trotzdem die Funktion falsch zuordnen. Halten Sie daher zwei getrennte Felder fest: „Rotorbauform“ und „wirksame Aufzugsrichtung“. Der bestehende Beitrag Automatikaufzug: einseitig oder beidseitig? erklärt die zweite Frage ausführlicher.

Mehr freier Blick bedeutet nicht automatisch Handaufzug

Breguet beschreibt beim peripheren Rotor des 581 den freien Blick auf das Werk als konstruktiven Vorteil. [4] Das Kaliber ist dennoch automatisch aufziehend. Eine Rückansicht ohne große, mittige Schwungmasse darf deshalb nicht allein als Beweis für ein Handaufzugswerk gelten.

Auch eine offen gestaltete Uhr beantwortet die Aufzugsfrage nicht schon durch ihren Look. Skelettuhr, Open Heart und Sichtboden trennt die verschiedenen sichtbaren Ebenen. Auf einem Foto sollten erkennbare Werkteile, Herstellerbezeichnungen und daraus abgeleitete Annahmen auseinandergehalten werden.

Was die Beispiele nicht über Leistung und Herkunft beweisen

Die genannten Goldlegierungen sind Angaben zu konkreten Rotoren. Eine goldfarbene Oberfläche an einer anderen Uhr bestätigt weder diese Legierung noch dasselbe Kaliber. Aus dem Rotormaterial allein ergibt sich auch keine verlässliche Rangfolge der gesamten Aufzugsleistung.

Die Quellen dokumentieren Bauformen und Daten, keinen gemeinsamen Vergleichstest aller drei Systeme. Für eine Effizienzaussage müssten unter anderem Ausgangsaufzug, zugeführte Bewegung und die gewonnene Laufzeit nachvollziehbar untersucht werden. Die bloße Drehfreude eines Rotors oder ein kurzes Video ersetzt eine solche Untersuchung nicht.

Die Laufzeit nach einem definierten Aufzug behandelt Gangreserve messen. Ein solcher Laufzeittest ist wiederum nicht automatisch ein Wirkungsgradtest des Automatikmechanismus. Für die Zuordnung eines realen Werks bleibt Uhrwerk-Herkunft prüfen relevant: Rotorbeschriftung und sichtbare Bauform liefern Anhaltspunkte, aber keinen vollständigen Herkunftsnachweis.

Vier Prüffragen für eine belastbare Beschreibung

PrüffrageWas festhalten?Was getrennt bleibt?
Welche Bauform ist belegt?Zentral, mikro oder peripher; die passende Herstellerfundstelle.Eine Vermutung allein aus einem teilweise verdeckten Foto.
Welches Kaliber und welche Variante?Vollständige Bezeichnung und Dokumentstand.Ähnliche Werke oder andere Varianten derselben Familie.
Auf welche Höhe bezieht sich die Zahl?Werk, Gehäuse oder andere definierte Maßebene.Ein Vergleich mit anders definierten Höhen.
Welche Leistungsangabe liegt wirklich vor?Aufzugsrichtung, Gangreserve oder tatsächlich erhobene Vergleichsdaten getrennt notieren.Eine automatische Qualitätswertung nach Rotorgröße oder Material.
Redaktionelle Prüfhilfe. Es wurden keine Vergleichswerte an Prüfmustern erhoben.

Leere Vorlage für den Rotorvergleich

1. Uhr / Kaliber / genaue Variante: [eintragen]
2. Quelle / Ausgabe oder Abrufdatum: [eintragen]
3. Rotorbauform / Beleg: [zentral / mikro / peripher; unklar, falls offen]
4. Rotormaterial / wirksame Aufzugsrichtung: [jeweils eigene Fundstelle oder nicht belegt]
5. Höhenangabe / Maßebene: [Werk oder Gehäuse; Einheit erhalten]
6. Leistungsangaben / vorhandene Messungen / offene Fragen: [getrennt dokumentieren]

English summary

Central, micro and peripheral rotors describe winding-mass layouts, not winding direction or a universal quality ranking. The cited Patek Philippe and Breguet examples document distinct constructions and movement heights. Movement thickness must not be confused with case thickness, and an unobstructed view does not prove manual winding. No comparative winding-efficiency test was performed.

Quellen und Transparenz

[1] Horopedia: Masse oscillante. Französischer Referenztext zur Schwungmasse sowie zur zentralen und dezentral integrierten Anordnung.

[2] Patek Philippe: Kaliberfamilie 26-330. Verwendet wird der ausdrücklich bezeichnete Eintrag 26-330 S: Zentralrotor aus 21-karätigem Gold und Werkhöhe 3,32 mm.

[3] Patek Philippe: Kaliberfamilie 240. Verwendet wird der Basiseintrag 240: dezentraler Minirotor aus 22-karätigem Gold und Werkhöhe 2,53 mm.

[4] Breguet: Marine Tourbillon 5577, Kaliber 581. Modellbezogene Beschreibung eines peripheren Rotors und einer Werkhöhe von 3 mm; die Gehäusehöhe wird gesondert angegeben.

Redaktioneller Stand: 16. Oktober 2026. Quellenbasis sind der französische Horopedia-Referenztext und drei Herstellerseiten. Die Beispiele sind keine vollständige Typologie sämtlicher Automatiksysteme und keine Kaufempfehlung. Tabellen und Vorlage wurden redaktionell erstellt; es lag kein Prüfmuster vor.

Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts oder von CODE41. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Die Herstellerquellen sind keine Empfehlung dieses heutigen Geschäfts.