Die Zahl der Federhäuser ist eine Konstruktionsangabe, keine vollständige Leistungsbeschreibung. Um eine Aussage wie „zwei Federhäuser“ sinnvoll zu lesen, braucht es das konkrete Kaliber, die angegebene Laufzeit und bei eigenen Beobachtungen die Messbedingungen. Auch eine lange Gangreserve sagt für sich noch nicht, wie gleichmäßig eine Uhr läuft.
Quellenstand: 13. Oktober 2026. Der Beitrag erläutert Fach- und Herstellerunterlagen. Es wurden keine Federhäuser geöffnet, keine Federn untersucht und keine Laufzeiten gemessen. Die folgenden Zahlen sind ausdrücklich Herstellerangaben.
1. Federhaus, Zugfeder und Unruhspirale unterscheiden
Das klassische Federhaus ist eine zylindrische Baugruppe mit Deckel, Welle und einer Verbindung zum Räderwerk. Darin liegt die Zugfeder. [1] Beim Aufziehen wird Energie in der Feder gespeichert; beim Ablaufen gibt sie den Antrieb an das Räderwerk weiter. [2]
| Begriff | Aufgabe und Abgrenzung |
|---|---|
| Federhaus [1] | Nimmt die Zugfeder auf; seine Verzahnung verbindet die Baugruppe mit dem Räderwerk. |
| Zugfeder [2] | Speichert die beim Aufziehen zugeführte Energie. Sie wird auch als Triebfeder bezeichnet. |
| Unruhspirale [2] | Gehört gemeinsam mit der Unruh zum schwingenden Reguliersystem; sie ist nicht die Zugfeder im Federhaus. |
Gerade auf Werkfotos kann eine sichtbare Spirale zu falschen Zuordnungen führen. Der Beitrag Unruhspirale: Material, Form und Funktion verstehen behandelt das Reguliersystem näher. Eine dort genannte Legierung oder Endkurve beschreibt nicht automatisch den Werkstoff oder die Form der Zugfeder.
2. Vom Aufziehen bis zum Impuls an der Unruh
Aufzug, Speicherung und Verteilung erfüllen verschiedene Aufgaben. Die FHH beschreibt den Weg von der aufgezogenen Feder über das Räderwerk zur Hemmung und zum Oszillator. [2] Die Hemmung im Uhrwerk ist damit Teil dieses Zusammenspiels, aber nicht mit dem Energiespeicher gleichzusetzen.
Für den Umgang mit der eigenen Uhr muss die Bedienungsanleitung zum Modell passen. Aus der Anzahl der Federhäuser lässt sich keine allgemeine Zahl von Kronenumdrehungen ableiten. Automatikuhr aufziehen trennt den bloßen Anlauf von einem dokumentierten Vollaufzug und erklärt, weshalb Angaben verschiedener Hersteller nicht beliebig übertragen werden sollten.
Eine Uhr, die nach dem Aufziehen wieder tickt, liefert zunächst diese Beobachtung: Sie läuft an. Ob der für eine bestimmte Gangreserve vorausgesetzte Ausgangszustand erreicht wurde, ist eine weitere Frage. Halten Sie deshalb das verwendete Aufzugsverfahren fest, bevor Sie aus einer Laufzeit eine technische Ursache ableiten.
3. Zwei Federhäuser, drei unterschiedliche Laufzeitangaben
| Herstellerbeispiel | Dokumentierte Angabe |
|---|---|
| Grand Seiko 9SA5 [3] | Zwei Federhäuser; Gangreserve etwa 80 Stunden. |
| Oris Calibre 400 [4] | Zwei Federhäuser; Gangreserve fünf Tage beziehungsweise 120 Stunden. |
| IWC Kaliberfamilie 52000 [5] | Zwei Federhäuser; Gangreserve sieben Tage. Das entspricht rechnerisch 168 Stunden. |
Redaktionelle Einordnung: Bereits diese Beispiele zeigen, dass „zwei Federhäuser“ keine feste Stundenanzahl bezeichnet. Die Tabelle ordnet veröffentlichte Angaben nebeneinander ein. Sie vergleicht weder identische Versuchsbedingungen noch einzelne, von uns geprüfte Exemplare.
Grand Seiko führt die Laufzeit des 9SA5 auf das Zusammenwirken der zwei Federhäuser mit der effizienten Doppelimpuls-Hemmung zurück. [3] Eine Erklärung, die ausschließlich die Anzahl der Energiespeicher betrachtet, würde hier also einen vom Hersteller selbst genannten weiteren Faktor auslassen.
Auch „doppelt“ ist ohne Bezug unvollständig: doppelte Laufzeit gegenüber welchem Werk und unter welchen Bedingungen? Die genannten Stundenwerte verschiedener Konstruktionen dürfen nicht als Messung des Nutzens eines zusätzlichen Federhauses behandelt werden. Dazu wäre ein entsprechend aufgebauter Vergleich erforderlich.
4. Was die Anzahl noch offenlässt
Eine vollständige technische Zuordnung kann weitere Fragen erfordern: Welche Zugfedern sind vorgesehen? Wie sind die Federhäuser verbunden? Auf welche Ausführung bezieht sich die Unterlage? Begriffe wie Reihen- oder Parallelschaltung sollten nur dann eingetragen werden, wenn die konkrete Konstruktion dafür belegt ist. Die Tabelle oben nimmt diese Zuordnung nicht vor.
Bei der Quellenprüfung hilft Uhrwerk-Datenblatt lesen. Die Bezeichnung einer Kaliberfamilie ist noch keine vollständige Teileliste für jede Variante. Für eine konkrete Uhr sollten Referenz und tatsächlich verbautes Kaliber zusammenpassen; für ein Ersatzteil braucht es darüber hinaus eine passende Teilezuordnung.
Das gilt auch für ein Foto durch den Glasboden: Notieren Sie, welche Bereiche sichtbar sind. Eine verdeckte Baugruppe lässt sich nicht zuverlässig durch Abzählen der sichtbaren runden Formen ausschließen. Eine Darstellung eines Herstellers und ein Foto einer anderen Uhr dürfen nicht ohne nachvollziehbare Zuordnung miteinander gleichgesetzt werden.
5. Laufzeit und Gang über die Laufzeit getrennt prüfen
Eine Laufzeitprüfung beantwortet, wie lange das untersuchte Exemplar unter den erfassten Bedingungen weiterläuft. Eine Gangmessung beantwortet eine andere Frage: Wie entwickelt sich seine Zeitabweichung? Ein Stillstandszeitpunkt enthält für sich keine Messreihe der vorherigen Gangwerte.
Für die erste Frage beschreibt Gangreserve messen die Dokumentation von Aufzug, Start und Stillstand. Für die zweite erläutert Isochronismus bei Uhren den Vergleich von Gangwerten über die Laufzeit. Eine beworbene Stundenangabe sollte nicht als Garantie eines bestimmten Tagessatzes bis zum Stillstand gelesen werden.
Achten Sie außerdem auf die Formulierung der Spezifikation. „Etwa“, „typisch“ und „mindestens“ sind unterschiedliche Angaben. Übernehmen Sie den jeweiligen Zusatz in Ihre Notizen. Eine rechnerische Umrechnung von Tagen in Stunden macht daraus keine genauer gemessene Größe.
Bei einer Uhr mit Reserveanzeige kommt ein weiterer Wert hinzu: der abgelesene Skalenstand. Gangreserveanzeige: Skala und Restlaufzeit richtig lesen erläutert, wie sich dieser Wert anhand der passenden Anleitung einordnen und getrennt von einer Laufzeitmessung dokumentieren lässt.
6. Kurze Laufzeit ist noch keine Diagnose der Zugfeder
Wenn eine Uhr kürzer läuft als erwartet, sollte die Dokumentation zuerst das beobachtete Problem beschreiben: Aufzug, Tragen oder Ablegen, bekannte Zeitpunkte und Vergleichsgrundlage. Die Feststellung „lief kürzer“ belegt allein weder einen Federbruch noch eine bestimmte andere Ursache.
Für eine Werkstattfrage ist etwa folgende Formulierung nachvollziehbar: „Ich habe nach dieser Anleitung aufgezogen, die Uhr danach abgelegt und diese Laufzeit beobachtet. Bitte prüfen Sie den Ausgangszustand und die Ursache.“ Das trennt den eigenen Befund von einer noch offenen technischen Diagnose. Eine Teilebestellung allein aufgrund des Symptoms wäre damit nicht begründet.
7. Leere Vorlage für Unterlagen und Beobachtungen
Tragen Sie eine eigene Messung nur ein, wenn sie tatsächlich vorliegt. Bei fehlender Dokumentation bleiben Federhauszahl, Verbindung oder Ausführung offen. Die Vorlage kann ohne Öffnen des Uhrwerks mit vorhandenen Unterlagen ausgefüllt werden.
UNBEFÜLLTE DOKUMENTATION – KEIN LAUFZEITTEST 1. Uhr / Referenz / Kaliber und Ausführung: ______ 2. Quelle / Datum oder Version / genaue Fundstelle: ______ 3. Zahl der Federhäuser / weitere belegte Konstruktionsangaben: ______ 4. Gangreserve laut Quelle / etwa, typisch oder mindestens: ______ 5. Vorhandene Messung / Aufzug, Zeitpunkte und Bedingungen: ______ 6. Bestätigter Befund / offene Frage / zuständige Werkstatt: ______
Das Uhren-Prüfprotokoll bietet Platz für weitere Messbedingungen und Befunde. Bewahren Sie Herstellerangabe, eigene Beobachtung und Werkstattbericht als unterschiedliche Nachweise auf; so bleibt erkennbar, was bereits bestätigt ist.
Quellen und Transparenz
[1] Fondation Haute Horlogerie: Barrel. Aufbau des Federhauses mit Zugfeder, Welle und Verbindung zum Räderwerk.
[2] Fondation Haute Horlogerie: How does a mechanical watch work?. Abschnitte Accumulating power, Storing power und Regulation: Energiefluss und Oszillator.
[3] Grand Seiko: Kaliber 9SA5. Zwei Federhäuser und etwa 80 Stunden Gangreserve; Zusammenspiel mit der Hemmung.
[4] Oris: Calibre 400. Zwei Federhäuser und fünf Tage beziehungsweise 120 Stunden Gangreserve.
[5] IWC: Calibre Family 52000. Familienbeschreibung mit zwei Federhäusern und sieben Tagen Gangreserve.
Die fünf Quellen wurden am 13. Oktober 2026 gelesen. Zwei Fachtexte stammen von der FHH; die drei Herstellerseiten beschreiben eigene Kaliber oder eine Kaliberfamilie. Sie bilden keine unabhängige Vergleichsprüfung. Die Einordnung und die Vorlage sind redaktionell erstellt. Es liegen keine eigenen Laufzeitmessungen, Teileprüfungen oder bereitgestellten Testmuster vor.
Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts oder von CODE41. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Dieser Beitrag enthält keine eigenen Prüfungen solcher Produkte. Die Herstellerquellen sind keine Empfehlung des heutigen Betreibers oder seiner Angebote.