Uhrwerk-Frequenz: 3 Hz, 4 Hz und Halbschwingungen

3 Hz entsprechen 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, 4 Hz entsprechen 28.800. Die beiden Schreibweisen beschreiben denselben Takt der Unruh. Sie sind keine Angabe darüber, wie viele Sekunden eine bestimmte Uhr täglich vor- oder nachgeht.

Quellenstand: 12. Oktober 2026. Dieser Beitrag erklärt aktuelle Herstellerunterlagen und Messbegriffe. Es wurden keine Uhren oder Werke für diesen Artikel gemessen. Die genannten Daten belegen weder die Ausstattung eines historischen Goldgena-Exemplars noch die eines heute angebotenen Produkts.

Was zählen Hz und Halbschwingungen?

Eine vollständige Schwingung führt die Unruh von einem Umkehrpunkt zum anderen und zurück; sie umfasst zwei Halbschwingungen. Hertz (Hz) zählt vollständige Schwingungen pro Sekunde. A/h bezeichnet im Uhrendatenblatt Halbschwingungen pro Stunde, englisch auch „vibrations per hour“. [1]

Aus 3.600 Sekunden pro Stunde und zwei Halbschwingungen je Schwingung folgt: Hz = Halbschwingungen pro Stunde ÷ 7.200. Umgekehrt: Halbschwingungen pro Stunde = Hz × 7.200. Beispiel: 28.800 ÷ 7.200 = 4 Hz. [1]

3, 4 und 5 Hz im Vergleich

Frequenz und HalbschwingungenDokumentiertes Kaliberbeispiel
3 Hz = 6 Halbschwingungen pro Sekunde = 21.600 A/hMiyota 82S7: MIYOTA nennt 21.600 pro Stunde. [2]
4 Hz = 8 Halbschwingungen pro Sekunde = 28.800 A/hETA 2824-2: ETA nennt ausdrücklich 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und 4 Hz. [3]
5 Hz = 10 Halbschwingungen pro Sekunde = 36.000 A/hGrand Seiko 9SA5: Die Anleitung nennt 36.000 vph und 5 Hz. [4]
Umrechnung nach [1], Kaliberdaten nach [2–4]. Beispiele, keine vollständige Liste möglicher Frequenzen und kein Vergleich eigener Messungen.

Die vollständige Werkbezeichnung bleibt wichtig: Die ETA-Zeile bezieht sich auf das 2824-2, nicht pauschal auf jede ähnlich benannte Variante. Eine übereinstimmende Frequenz allein identifiziert kein Kaliber. Hersteller, Version und Quelle sollten daher zusammen mit dem Zahlenwert notiert werden.

Ist ein 4-Hz-Werk automatisch genauer als ein 3-Hz-Werk?

Nein, diese Rangfolge lässt sich aus der Frequenzangabe allein nicht ableiten. Sie nennt den vorgesehenen Takt. Die Gangabweichung beschreibt dagegen den Zeitgewinn oder Zeitverlust gegenüber einer Referenz, üblicherweise in Sekunden pro Tag. [1] MIYOTA und Grand Seiko führen Frequenz und Gangangaben in ihren Unterlagen als getrennte Daten auf. [2, 4]

Wer zwei konkrete Uhren vergleichen möchte, braucht vergleichbare Beobachtungen oder Prüfberichte. „4 Hz“ ist für sich genommen weder ein Messprotokoll noch eine Chronometer-Zertifizierung. Die Anleitung Ganggenauigkeit im Alltag messen zeigt, wie sich eine tatsächliche Abweichung über einen dokumentierten Zeitraum berechnen lässt.

Frequenz, Amplitude und Hebewinkel unterscheiden

Die Frequenz beschreibt, wie oft die Unruh schwingt. Die Amplitude beschreibt ihren maximalen Ausschlag von der Ruhelage und wird in Grad angegeben. [1] Eine Anzeige von beispielsweise „4 Hz“ gehört deshalb zu einer anderen Größe als eine Winkelangabe. Aus der Frequenz lässt sich kein Amplitudenwert ablesen.

Auch der Hebewinkel ist kein zweiter Name für die Frequenz oder die gemessene Amplitude. Beim Witschi ChronoMaster wird er getrennt eingegeben; das Gerät führt Schlagzahl, Gangabweichung, Amplitude und Abfallfehler mit eigenen Angaben beziehungsweise Einheiten. [5] Die Zahl „50°“ im Feld für den Hebewinkel darf also nicht als gemessener Unruhausschlag übernommen werden.

Wie hilft die Frequenz beim Lesen einer Zeitwaage?

Vergleichen Sie die angezeigte Schlagzahl mit der dokumentierten Kaliberangabe. Der ChronoMaster bietet eine automatische Schlagzahlerkennung. [5] Halten Sie Gerätemodell, verwendete Einstellung und passende Quelle fest. Der Leitfaden Zeitwaage verstehen erläutert die übrigen Messbedingungen.

Eine automatisch erkannte Schlagzahl bestätigt zunächst nur die Zuordnung des Signals durch das Gerät. Daraus folgt kein Herkunfts- oder Echtheitsnachweis. Falls Datenblatt und Anzeige nicht zusammenpassen, bleibt die Zuordnung offen, bis Werkangabe und Messung geprüft sind. Ändern Sie Einstellungen nicht bloß mit dem Ziel, einen schöneren Gangwert zu erhalten.

Kann man aus der Frequenz die Gangreserve berechnen?

Für ein komplettes Uhrwerk reicht die Frequenz allein dazu nicht aus. Grand Seiko nennt für das 9SA5 sowohl 5 Hz als auch etwa 80 Stunden Laufzeit bei ausreichend aufgezogener Feder. [4] Das Beispiel zeigt, dass die Zahl „5 Hz“ keine allgemeine kurze Laufzeit festlegt. Es beweist umgekehrt nicht, dass eine höhere Frequenz eine längere Gangreserve verursacht.

Verwenden Sie für Laufzeitangaben die Unterlagen des konkreten Kalibers oder eine nachvollziehbare Untersuchung des Exemplars. Die Anleitung Gangreserve messen hilft, Aufzugszustand und Stillstand zu dokumentieren. Eine pauschale Rechnung wie „doppelte Frequenz, halbe Gangreserve“ ersetzt diese Angaben nicht.

Drei Angaben für einen belastbaren Vergleich

Kaliber und Quelle: vollständige Bezeichnung, Dokument und dessen Stand festhalten. So bleibt erkennbar, zu welchem Werk die Angabe gehört.

Zahl und Einheit: Hz, Halbschwingungen pro Stunde, Sekunden pro Tag und Grad getrennt notieren. Vor einem Vergleich zuerst die Einheiten vereinheitlichen.

Art des Belegs: Herstellerwert, Geräteeinstellung und eigenes Messergebnis auseinanderhalten. Fehlt eine Untersuchung am Exemplar, kennzeichnen Sie den Wert als Herstellerangabe und lassen die tatsächliche Leistung offen.

Quellen und Transparenz

[1] Witschi: Testing Methods for Mechanical Watches (PDF). Ausgabe 2025, Seite 5: Frequenz und Umrechnung; Seiten 7–8: Gangabweichung und Amplitude.

[2] MIYOTA: Produktseite 82S7. Herstellerangabe zur Frequenz: 21.600 pro Stunde.

[3] ETA: Produktseite 2824-2. Herstellerangabe: 28.800 Halbschwingungen pro Stunde beziehungsweise 4 Hz.

[4] Grand Seiko: Technische Daten 9SA5 / 9SA4 / 9SC5. Hier ausschließlich 9SA5: 36.000 vph / 5 Hz und etwa 80 Stunden Gangreserve bei ausreichend aufgezogener Feder.

[5] Witschi: ChronoMaster – technische Angaben. Schlagzahlerkennung, separate Hebewinkeleingabe und unterschiedliche Einheiten der Messwerte.

Die Quellen wurden am 12. Oktober 2026 gelesen. Die Umrechnungen beruhen auf der Definition der Einheiten; die Hinweise zur Aussagekraft und Dokumentation sind redaktionelle Einordnungen. Für diesen Beitrag liegen keine eigenen Messreihen oder bereitgestellten Testmuster vor.

Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts oder von CODE41. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Die genannten Hersteller empfehlen damit weder diesen Betreiber noch dessen Produkte.