Eine Chronometer-Zertifizierung ist ein Nachweis über eine bestandene Prüfung nach festgelegten Kriterien. Für die Einordnung einer Uhr zählen das genaue Prüfprogramm und die Zuordnung zum geprüften Exemplar. Ein gut aussehender Gangwert allein beantwortet diese Fragen nicht.
Quellenstand: 10. Oktober 2026. Dieser Beitrag erläutert die derzeit von COSC beschriebenen Zertifizierungen für mechanische Uhren. Andere Prüfstellen und markeneigene Prüfprogramme sind damit nicht automatisch abgedeckt. Es wurde für diesen Beitrag keine Uhr getestet oder als zertifiziert bestätigt.
Chronometer und Chronograph sind unterschiedliche Angaben
Ein Chronograph besitzt eine Funktion zum Messen von Zeitintervallen. Chronometer bezeichnet hier einen zertifizierten Präzisionszeitmesser. [3] Eine Uhr kann beides sein: Ihre Stoppfunktion und ihre Chronometer-Zertifizierung sind dann zwei getrennte Eigenschaften. Drücker und Hilfszifferblätter beweisen daher keine Zertifizierung.
| Angabe | Was sie belegt |
|---|---|
| Chronograph | Eine Funktion zur Messung von Zeitintervallen; für sich genommen kein Chronometer-Nachweis. [3] |
| COSC: Chronometer Certified | Das geprüfte Werk hat die Kriterien des betreffenden COSC-Verfahrens erfüllt. [1] |
| COSC: Excellence Chronometer Certified | Zusätzliche Prüfungen der fertig eingeschalten Uhr nach der Chronometer-Prüfung des Werkes. [2] |
| Gangprotokoll eines Händlers oder Besitzers | Dokumentierte Beobachtungen unter den angegebenen Bedingungen; daraus entsteht keine COSC-Zertifizierung. |
Was die klassische COSC-Prüfung untersucht
Für mechanische Armbanduhrwerke beschreibt COSC eine Prüfung auf Grundlage der ISO 3159. Der erläuterte Messablauf umfasst 15 Tage, fünf Lagen und drei Temperaturen: 8, 23 und 38 °C. Bewertet werden sieben Kriterien, darunter der mittlere tägliche Gang, Schwankungen, Lage- und Temperatureinflüsse sowie die Wiederaufnahme des Ganges. [1]
In dieser Erläuterung nennt COSC für den mittleren täglichen Gang −4 bis +6 Sekunden pro Tag. [1] Das ist ein Kriterium innerhalb eines definierten Verfahrens. Die Zahl ist weder eine universelle Toleranz für jede Uhrenkategorie noch das Versprechen, dass jede einzelne Trage- oder Messsituation genau in diesem Fenster bleibt.
COSC unterscheidet außerdem andere Instrumentenkategorien mit eigenen Vorgaben, beispielsweise Quarzuhren. Die vollständige Abwicklung einschließlich Annahme und Auswertung darf nicht mit der Messdauer gleichgesetzt werden. [1] Für ein konkretes Zertifikat gilt dessen zugehöriges Prüfprogramm; eine verkürzte Werbeangabe genügt für die Beurteilung nicht.
Excellence: zusätzliche Prüfungen an der fertigen Uhr
Das von COSC beschriebene Programm Excellence Chronometer Certified baut auf der bestandenen Werkprüfung auf. Nach dem Einschalen wird die fertige Uhr zusätzlich geprüft. COSC beschreibt dabei mindestens vier weitere Prüftage und die Prüfung jeder eingereichten Uhr. [2]
Beim simulierten Tragen über 24 Stunden in sechs halbdynamischen Lagen nennt COSC −2 bis +4 Sekunden pro Tag. Hinzu kommen Prüfungen bei 200 Gauss in drei Orientierungen: Das Werk darf unter dem Magnetfeldeinfluss nicht stehen bleiben; nach der jeweiligen Exposition wird eine Gangabweichung innerhalb von ±10 Sekunden pro Tag gefordert. Außerdem wird geprüft, ob die Uhr nach Ablauf der von der Marke angegebenen Gangreserve noch läuft. [2]
Diese Werte gehören zu unterschiedlichen Teilen des Programms. Die ±10 Sekunden nach Magnetfeldeinwirkung sind deshalb kein Ersatz für das Kriterium des simulierten Tragens. Ein früheres oder anders bezeichnetes COSC-Zertifikat belegt diese Zusatzprüfungen nicht automatisch. Auch ein bestimmter Wasserdichtheitswert lässt sich aus den hier beschriebenen Kriterien nicht ableiten.
Wie lässt sich der Nachweis einer Uhr zuordnen?
Zunächst sollten genaue Referenz, Exemplarzuordnung und vollständiger Name der Zertifizierung zusammenpassen. Ein allgemeiner Hinweis auf COSC in einer Markenbroschüre ist noch kein individueller Nachweis. Ebenso wenig reicht eine ähnliche Beschriftung auf einem Zifferblatt aus, um die Herkunft oder Echtheit einer Uhr zu bestätigen.
Nach der COSC-FAQ entscheiden die Marken, ob sie Zertifizierungsunterlagen an Käufer weitergeben. Ein fehlendes Papier im Lieferumfang beweist daher nicht automatisch, dass keine Zertifizierung vorliegt. Bei Fragen zu Ergebnissen oder verlorenen Unterlagen verweist COSC auf die betreffende Uhrenmarke; die Analysedaten werden nicht beliebig an Dritte herausgegeben. [4]
Eine sinnvolle Anfrage nennt die genaue Uhr und fragt nach dem Prüfprogramm sowie einem zuordenbaren Nachweis. Persönliche Unterlagen oder vollständige Seriennummern müssen dafür nicht öffentlich ins Internet gestellt werden. Die Rückmeldung sollte gespeichert werden, damit ihre Aussage später nachvollziehbar bleibt.
Auch die Kaliberfamilie genügt nicht als Zertifizierungsnachweis. Die Profile zum ETA 2824-2 und zum Sellita SW200-1 erläutern technische Daten. Daraus folgt keine Zertifizierung jeder Uhr, die eines dieser Werke oder eine ähnlich bezeichnete Variante enthält.
Was eine frühere Zertifizierung über den heutigen Gang sagt
COSC beschreibt die Chronometer-Bezeichnung als dauerhaft erworbenen Titel nach einer bestandenen Prüfung. Zugleich kann sich die Leistung eines Werkes im Laufe der Zeit verändern. [4] Eine frühere Zertifizierung und der heutige Wartungs- oder Gangzustand beantworten somit unterschiedliche Fragen.
Für eine aktuelle Beobachtung lässt sich die Ganggenauigkeit im Alltag über mehrere Tage dokumentieren. Ein solches Protokoll hilft bei einer konkreten Rückfrage an Händler oder Service. Es ersetzt die Zertifizierung nicht und bildet die kontrollierten Laborbedingungen nicht vollständig nach.
Dasselbe gilt für eine Messung auf der Zeitwaage: Ein einzelner Wert von beispielsweise +1 Sekunde pro Tag zeigt nicht, dass die gesamte Prüfung bestanden wurde. Dieser Zahlenwert ist hier nur ein Lesebeispiel, kein Ergebnis einer von uns untersuchten Uhr.
Quellen und Transparenz
[1] COSC: Chronometer Certified. Beschreibung der Werkprüfung, des Ablaufs für mechanische Werke und der sieben Kriterien.
[2] COSC: Excellence Chronometer Certified. Zusätzliche Prüfungen der fertigen Uhr: simuliertes Tragen, Magnetfeldeinfluss und angegebene Gangreserve.
[3] COSC: Chronograph or Chronometer?. Abgrenzung von Stoppfunktion und Chronometer-Zertifizierung.
[4] COSC: FAQ. Unterlagen für Käufer, Ansprechpartner bei der Marke, erneute Prüfungen sowie Bedeutung einer früher bestandenen Zertifizierung.
Die verlinkten COSC-Seiten wurden am 10. Oktober 2026 gelesen. Dieser Beitrag fasst ihre öffentlich beschriebenen Verfahren zusammen; er ist keine vollständige Wiedergabe der ISO-Norm und keine eigene Zertifizierungsleistung. Die Hinweise zur Bewertung von Angeboten und Messprotokollen sind redaktionelle Einordnungen.
Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts, von CODE41 oder von COSC. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Die genannten Prüfprogramme belegen keine Zertifizierung der dort angebotenen Produkte und keine Empfehlung dieses Geschäfts durch die Prüfstelle.