Sellita SW300-1: Bauhöhe, Gangreserve und Varianten

Das Sellita SW300-1 ist ein Automatikwerk, bei dem besonders die geringe Bauhöhe von 3,60 mm interessant ist. Der aktuelle Sellita-Katalog führt eine Ausführung mit Datum und eine ohne Datum. [2] Dieser Beitrag hilft, die passende Version zuzuordnen und Herstellerangaben richtig zu lesen. Ein eigenes Prüfmuster wurde dafür nicht untersucht.

SW300-1: acht technische Eckdaten

MerkmalAngabe in den herangezogenen Unterlagen
AufzugAutomatik und Handaufzug
Anzeigen und EinstellungStunde, Minute und Sekunde zentral; Sekundenstopp; Datum abhängig von der Variante
Durchmesser25,60 mm Gehäusepassung; 26,20 mm Gesamtdurchmesser
Werkhöhe3,60 mm
Frequenz28.800 Halbschwingungen pro Stunde; 4 Hz
Lagersteine25
GangreserveMinimum 50 Stunden laut technischer Dokumentation; typisch 56 Stunden
Hebewinkel51°
Quellen: technische Dokumentation [1] und Katalog 2026–2027 [2]. Die technische Unterlage beschreibt die Datumausführung; der Katalog ergänzt die Variante ohne Datum. Keine eigenen Messwerte.

Die beiden Durchmesser betreffen unterschiedliche Messgrenzen. Ebenso ist der Hebewinkel eine Angabe für die Messkonfiguration, kein bereits ermittelter Amplitudenwert. Wer Daten aus mehreren Unterlagen zusammenführt, sollte deshalb Feldbezeichnung und Einheit mit übernehmen. Eine Hilfe dafür ist Uhrwerk-Datenblätter richtig lesen.

3,60 mm: dünneres Werk, nicht automatisch dünnere Uhr

Sellita stellt im Katalog die Werkhöhe des SW300-1 von 3,60 mm den 4,60 mm des SW200-1 gegenüber: Der Unterschied beträgt 1,00 mm. [2] Diese Aussage betrifft die beiden Uhrwerke, nicht zwei fertig konstruierte Gehäuse.

Für einen Vergleich von Uhren sind daher zwei getrennte Fragen sinnvoll: Wie hoch ist das Werk laut zugehöriger Unterlage, und wie hoch ist die komplette Uhr laut Modellangabe oder eigener Messung? Die Differenz darf nicht als verfügbare Einsparung an einer bestehenden Uhr verstanden werden. Ein dünneres Werk allein belegt auch keinen Vorteil bei Gang, Wartungszustand oder Haltbarkeit.

Ein konkretes Beispiel liefert die C60 Trident Lumière LE: Ihr Handbuch nennt ein SW300-1 COSC und eine Höhe der fertigen Uhr von 10,85 mm. [3] Werkhöhe und Uhrenhöhe lassen sich somit nebeneinander dokumentieren, ohne sie gleichzusetzen. Das Beispiel ist keine Empfehlung und kein eigener Tragetest.

Mit oder ohne Datum: SW300-1 a und b unterscheiden

KatalogvarianteAnzeigen und dokumentierte Funktionen
SW300-1 aDrei zentrale Zeiger, Datum mit Schnellkorrektur; Handaufzug und Sekundenstopp.
SW300-1 bDrei zentrale Zeiger ohne Datum; Handaufzug und Sekundenstopp.
Zuordnung nach dem Sellita-Katalog 2026–2027 [2]. Die Buchstaben unterscheiden hier Funktionsvarianten, keine Rangfolge der Qualität.

Ein Angebot mit der bloßen Angabe „SW300-1“ lässt diese Unterscheidung offen. Für eine saubere Zuordnung sollten die Referenz der Uhr und eine passende Herstellerunterlage hinzukommen. Ein Zifferblatt ohne Datumsfenster genügt für sich genommen nicht als Nachweis des Suffixes b. Im genannten C60-Handbuch steht „SW300-1 COSC“; ein Suffix wird hier daraus nicht ergänzt.

Bei einer Uhr mit Datum gelten für die Bedienung die Hinweise ihrer eigenen Anleitung. Die Funktionsbeschreibung des Kalibers ist keine allgemeine Freigabe, die Datumsschnellkorrektur zu jeder Zeit zu benutzen. Wie sich Tag-/Nachtstellung und herstellerspezifische Hinweise zuordnen lassen, erläutert Datum an einer Uhr einstellen.

50 Stunden Minimum und 56 Stunden typisch

Die technische Dokumentation, Version 08 vom 20. November 2024, nennt 50 Stunden als Minimum und 56 Stunden als typischen Wert. [1] Im Katalog 2026–2027 stehen bei beiden oben genannten Varianten typisch 56 Stunden. [2] Die Kennzeichnungen gehören zur Zahl: „typisch 56“ darf nicht zu „mindestens 56“ werden.

Auch das Alter der Unterlage gehört zur Zuordnung. Diese Werte werden hier für die dokumentierten Fassungen angegeben, nicht rückwirkend als gesicherte Spezifikation jeder jemals verkauften Uhr mit diesem Kalibernamen. Bei einer älteren oder gebrauchten Uhr sollten ihre eigene Referenz und die dazugehörigen Unterlagen geprüft werden.

Für einen eigenen Laufzeitversuch werden Aufzugsverfahren, Start, Stillstand und Bedingungen getrennt notiert. Dabei ist zu klären, ob zusätzlicher Aufzug während des Versuchs ausgeschlossen war. Die Anleitung Gangreserve messen beschreibt die Dokumentation. Eine kürzere Beobachtung ist zunächst ein Ergebnis dieses Versuchs; ihre Ursache steht damit noch nicht fest.

COSC und Gangangaben brauchen einen konkreten Bezug

Christopher Ward bezeichnet das Werk der C60 Trident Lumière LE ausdrücklich als COSC-zertifiziert. Das zugehörige Handbuch nennt bis zu 56 Stunden Gangreserve sowie eine Gangtoleranz von −4 bis +6 Sekunden pro Tag. [3] Das sind Herstellerangaben zu diesem Modell, keine hier erhobenen Messwerte.

Aus dem Kalibernamen allein folgt keine Zertifizierung jedes SW300-1. Für die Beurteilung einer angebotenen Uhr sollte deshalb klar sein, worauf sich die Zertifizierung bezieht und welcher Beleg zu ihrer Ausführung gehört. Der Beitrag Chronometer-Zertifizierung erläutert die Unterscheidung zwischen Zertifizierungsangabe, Prüfgegenstand und eigener Alltagsbeobachtung.

Ebenso sollten Funktionsvariante, technische Qualitätsstufe und sichtbare Verzierung in getrennten Feldern stehen. Die Buchstaben a und b in der obigen Tabelle beantworten die Datumsfrage. Für eine Einstufung sind andere Belege erforderlich; die Prüffragen dazu stehen unter Qualitätsstufen von Uhrwerken.

Zuordnung vor einem möglichen Werktausch

Die geringe Bauhöhe ist keine Austauschfreigabe. Vor einem Werktausch müssen die konkreten Anschlüsse und Bauteile zusammenpassen, darunter Gehäuseaufnahme, Aufzugswelle, Zifferblatt, Zeiger und gegebenenfalls Datumsanzeige. Eine Maßtabelle beantwortet diese Fragen nicht vollständig. Welche Unterlagen dafür gebraucht werden, bündelt Uhrwerk tauschen: Voraussetzungen klären.

Sechs Felder für die eigene Dokumentation

Unbekannte Angaben bleiben offen. Die kurze Vorlage ergänzt das ausführliche Uhren-Prüfprotokoll und trennt Quellenwerte von Beobachtungen.

1. Uhr / Referenz / dokumentiertes Kaliber und Suffix: [eintragen oder unbekannt]
2. Herstellerunterlage / Fassung / URL / passende Modellanleitung: [eintragen]
3. Werkhöhe und Uhrenhöhe mit jeweils eigener Quelle: [eintragen]
4. Gangreserve laut Quelle: Wert / Minimum, typisch oder bis zu: [eintragen]
5. Eigener Laufzeitversuch: Aufzug / Start / Stillstand / Bedingungen: [eintragen oder nicht gemessen]
6. Qualitätsstufe / Zertifizierungsbeleg / offene Zuordnungsfragen: [eintragen oder unbekannt]

English summary

Keep movement height separate from complete watch height, and identify the date or no-date variant from suitable documentation. Minimum and typical running times are different claims. The C60 Trident Lumière LE is a model-specific COSC example, not proof of certification for every SW300-1. No physical sample was tested.

Quellen und Transparenz

[1] Sellita: SW300-1, Technische Dokumentation, Version 08 vom 20. November 2024. Deckblatt und Seiten 3–5: technische Werte, Funktionen und Ausführungen.

[2] Sellita: Catalogue 2026–2027, gedruckte Seiten 45–47, PDF-Seiten 25–26. Bauhöhenvergleich sowie SW300-1 a mit Datum und SW300-1 b ohne Datum; großes PDF.

[3] Christopher Ward: C60 Trident Lumière LE, Owner’s Handbook, PDF-Seiten 2–3. Modellbeispiel mit SW300-1 COSC, Angaben zur Laufzeit, Gangtoleranz und Gehäusehöhe.

Redaktioneller Stand: 19. Oktober 2026. Grundlage sind drei Herstellerunterlagen von Sellita und Christopher Ward, keine drei unabhängigen Tests. Die Hinweise zur Zuordnung und Dokumentation sind redaktionelle Einordnungen. Es werden weder eigene Prüfergebnisse noch geprüfte Austauschbarkeit oder ein historischer Goldgena-Einsatz dieses Kalibers behauptet.

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