PVD beschreibt eine Gruppe von Beschichtungsverfahren; DLC bezeichnet diamantähnliche Kohlenstoffschichten. Die Begriffe liegen deshalb nicht auf derselben Ebene. Wer zwei Uhren vergleichen möchte, sollte Grundmaterial, Schicht und Herstellungsverfahren getrennt erfassen. Eine schwarze oder goldfarbene Oberfläche liefert diese Informationen allein noch nicht.
Dieser Leitfaden ordnet veröffentlichte Herstellerangaben ein und bietet eine Vorlage für eigene Beobachtungen. Für den Beitrag wurden keine Beschichtungen untersucht und keine Härte- oder Verschleißtests durchgeführt. Die Beispiele belegen die Angaben ihrer Quellen, keine Rangfolge der Marken.
Vier Angaben, die getrennt gehören
| Angabe | Was sie beschreibt | Was daraus nicht automatisch folgt |
|---|---|---|
| Grundmaterial | Das Material des Bauteils unter einer möglichen Beschichtung, etwa Stahl oder Titan. | Die genaue Legierung, Oberflächenbehandlung oder Herkunft ist mit einem Farbnamen nicht bestimmt. |
| PVD – Physical Vapour Deposition | Eine Gruppe physikalischer Abscheideverfahren für dünne Schichten; dazu gehören beispielsweise Verdampfen und Sputtern. [1] | PVD ist keine einzelne Schichtrezeptur und keine allgemeine Haltbarkeitsklasse. |
| DLC – Diamond-like Carbon | Eine Bezeichnung für diamantähnliche Kohlenstoffschichten. Die konkrete Ausführung benötigt weitere Angaben. [2, 3] | Die Abkürzung allein nennt weder ein einziges Herstellungsverfahren noch eine für jede Uhr gültige Härte. |
| Farbe und Oberflächenbild | Zum Beispiel schwarz, roségoldfarben, matt oder glänzend. | Eine Farbe beweist weder DLC noch einen massiven Edelmetallwerkstoff; ein Foto ersetzt keine Materialangabe. |
Oerlikon Balzers beschreibt für PVD verschiedene Prozesse und erklärt, dass unter anderem die eingesetzten Materialien die Schichteigenschaften beeinflussen. [1] Für den Leser folgt daraus: Eine bloße PVD-Angabe reicht nicht, um zwei unbekannte Beschichtungen technisch gleichzusetzen.
Ist DLC immer PVD – und ist DLC immer schwarz?
Eine pauschale Gleichsetzung trägt nicht. In der Uhrenübersicht von Oerlikon Balzers wird BALINIT DLC mit dem Schichtmaterial a-C:H und dem Verfahren PACVD geführt. [2] Das ist ein konkretes Beispiel dafür, warum die Spalten „Material“ und „Verfahren“ getrennt gelesen werden müssen. Es belegt nicht, wie jede als DLC verkaufte Uhr beschichtet wurde.
| Veröffentlichte Ausführung | Angabe des Herstellers | Nutzen für die Einordnung |
|---|---|---|
| Oerlikon Balzers: BALINIT DLC [2] | In der Uhrenübersicht: a-C:H als Material, PACVD als Beschichtungstechnologie. | Eine DLC-Bezeichnung ist nicht automatisch eine PVD-Prozessangabe. |
| CITIZEN: DURATECT DLC Blue [3] | Eine blaue DLC-Ausführung; der Hersteller erläutert die gezielte Beeinflussung der Lichtreflexion und -brechung. | DLC ist nicht ausschließlich an schwarzer Farbe zu erkennen. |
| CITIZEN: DURATECT MRK [3] | Die Beschreibung nennt eine Härtung des eigentlichen Materials im Oberflächenbereich. | Ein Oberflächenhärtungsverfahren ist von einer zusätzlich aufgetragenen Schicht zu unterscheiden. |
CITIZEN unterscheidet auf derselben Übersicht Beschichtung, Härtung des Materials und Kombinationen aus beiden. [3] Ein Markenname für eine Technologiefamilie ist daher noch keine vollständige Beschreibung jedes darunter angebotenen Produkts. Entscheidend bleibt die ausdrücklich genannte Variante.
Was die PVD-Angaben im Goldgena-Archiv von 2016 belegen
Die gespeicherte Oktober-Seite zur Kollektion führte schwarze, braune und roségoldfarbene PVD-Varianten auf. [4] Das Archiv zu Kollektion, Logo und Crowdfunding erhält diese Bezeichnungen und die damaligen Preisangaben. Sie dokumentieren vorgestellte Ausführungen in einer noch laufenden Auswahl.
Die hier ausgewerteten Variantenbeschriftungen liefern keinen Nachweis über Schichtdicke, genaue Zusammensetzung oder einen bestandenen Verschleißtest. Wir ergänzen deshalb weder DLC noch eine bestimmte Härte. Auch „roségoldfarben“ wird nicht zu „Gehäuse aus massivem Roségold“ umgedeutet. Eine spätere Serie müsste anhand ihrer eigenen Unterlagen geprüft werden.
Ob eine Abbildung einen Entwurf, ein Formmodell oder ein funktionsfähiges Muster zeigt, ist eine weitere Frage. Der Leitfaden Uhrenprototypen beurteilen hilft, diese Entwicklungsstände auseinanderzuhalten. Eine farbige Visualisierung ist noch kein Belastungsnachweis eines beschichteten Serienteils.
Welche Belege braucht ein sinnvoller Vergleich?
| Prüffrage | Nützliche Unterlagen oder Angaben | Grenze ohne diese Angaben |
|---|---|---|
| Welches Bauteil ist gemeint? | Vollständige Referenz, Ausführung und betroffener Bereich: Gehäuse, Lünette, Krone, Band oder Schließe. | Die Gehäuseangabe lässt sich nicht ungeprüft auf alle sichtbaren Teile übertragen. |
| Was wurde behandelt oder aufgetragen? | Grundmaterial, genaue Schichtbezeichnung und – soweit veröffentlicht – Verfahren, Vorbehandlung und Schichtaufbau. | Eine Farbe oder ein Kürzel lässt Einzelheiten offen; Unbekanntes nicht ergänzen. |
| Was bedeutet ein Härtewert? | Messverfahren, Einheit beziehungsweise Skala, Prüfbedingungen, geprüfte Schicht oder Probe und Zuordnung zum Produkt. | Ein einzelner Wert ist keine nachgewiesene Anzahl kratzfreier Tragejahre. Unterschiedliche Messgrößen nicht ungeprüft vergleichen. |
| Wurde Verschleiß tatsächlich geprüft? | Benanntes Prüfverfahren mit Belastung, Dauer, Kontaktpartner, Bewertung und Zahl der geprüften Exemplare. | Ein sichtbarer Zustand oder eine Werbeaussage ersetzt keinen beschriebenen Vergleichstest. |
Die Unterlagen und offenen Punkte lassen sich im Uhren-Prüfprotokoll festhalten. Fehlt etwa die Belastung eines Tests, bleibt genau diese Angabe offen. Ein belegter Laborversuch kann außerdem nicht ohne passende Zuordnung auf jedes Modell mit ähnlich klingender Beschichtung übertragen werden.
Gebrauchsspuren beschreiben, ohne daraus einen Labortest zu machen
Für eine Zustandsnotiz genügen zunächst datierte Fotos und eine Beschreibung der betroffenen Stelle. Notieren Sie Beleuchtung, Betrachtungswinkel, Tragedauer und bekannte Kontakte. Formulieren Sie beobachtbar: „helle Linie an der Schließenkante“ ist belastbarer als eine allein aus einem Foto abgeleitete Diagnose zur Schichthaftung.
Ein unauffälliges Exemplar nach einer bestimmten Tragezeit beweist keine feste Lebensdauer aller Uhren dieser Ausführung. Ebenso erlaubt ein einzelner Schaden ohne geklärte Umstände keine allgemeine Rangliste von PVD und DLC. Wie die Aussage auf Einzeluhr, Stichprobe und Serie begrenzt wird, behandelt der Leitfaden zur Stichprobe.
Für eine solche Dokumentation keine Kratzversuche mit Schlüsseln, Messern oder Schleifmitteln durchführen. Sie verändern das untersuchte Teil, ohne definierte Bedingungen für einen Vergleich zu schaffen. Vor einer kosmetischen Bearbeitung beim Hersteller oder Servicebetrieb klären, welche Behandlung für die konkrete Oberfläche vorgesehen ist; eine Polierempfehlung für blanken Stahl nicht auf eine unbekannte Beschichtung übertragen.
Auch eine Maßaufnahme sollte keine neuen Spuren erzeugen. Hinweise zu Bezugspunkten und schonender Werkzeuganlage enthält Uhrenmaße richtig lesen. Die Finissierung eines Uhrwerks ist wiederum ein eigener Gegenstand: Eine farbige Gehäuseoberfläche belegt keine bestimmte Werkdekoration oder Handarbeit im Inneren.
Kopiervorlage für eine Beschichtungsnotiz
Herstellerbeschreibung und eigene Beobachtung in getrennten Feldern führen. Ohne Untersuchung keine Werte zur Schichtdicke, Härte oder Haftung eintragen.
1. Uhr / Referenz / Ausführung / Exemplar / Datum: [eintragen] 2. Bauteil und Grundmaterial: [Quelle nennen; Unbekanntes offenlassen] 3. Veröffentlichte Behandlung: [Schichtname, Verfahren, Herstellerquelle, Stand] 4. Vorliegende Prüfangaben: [Methode, Bedingungen, Probe, Ergebnis; sonst nicht belegt] 5. Eigene Beobachtung: [Stelle, Zustand, Fotos, Licht, Tragedauer, bekannte Kontakte] 6. Grenzen und Rückfragen: [nicht untersucht; ungeklärte Zuordnung; Serviceauskunft]
English summary
PVD identifies deposition processes, while DLC identifies diamond-like carbon coatings. Neither colour nor an abbreviation is enough to establish composition or durability. Keep substrate, treatment, exact variant and test evidence separate. The 2016 Goldgena colour options remain historical proposals, not coating test results. This guide reports source information and provides an observation template; no watches or coatings were tested for it.
Quellen und Transparenz
[1] Oerlikon Balzers: PVD – Physical Vapour Deposition based processes. Grundlage für den Verfahrensbegriff und die Unterscheidung mehrerer Prozesse und Schichtsysteme.
[2] Oerlikon Balzers: Decorative coatings for watches. Die Tabelle ordnet BALINIT DLC dem Material a-C:H und dem Verfahren PACVD zu. Weitere Leistungsangaben der Seite werden nicht als Testresultate dieser Redaktion übernommen.
[3] CITIZEN: Super Titanium und DURATECT. Die Technologieübersicht unterscheidet Beschichtung, Materialhärtung und Kombinationen; herangezogen wurden insbesondere DLC Blue und MRK. Herstellerdarstellung, kein unabhängiger Vergleichstest.
[4] Goldgena: Collection finale, logo et crowdfunding – Originalaufnahme vom 24. Oktober 2016. Quelle für die damaligen PVD-Farbvarianten. Artikelkopf: 12. Oktober; weitere Datumszeile am Artikelende: 21. Oktober. Keine nachträgliche Bestätigung ausgelieferter Beschichtungen.
Redaktioneller Stand: 15. Oktober 2026. Quellenbasierte Erläuterung ohne eigene Material- oder Verschleißprüfung. Checklisten und Vorlage sind redaktionelle Hilfen. Die heutigen Herstellerbeispiele werden nicht als technische Spezifikation der historischen Goldgena-Entwürfe verwendet.
Hinweis zum heutigen Betreiber: Diese Website ist kein offizieller Auftritt des früheren Goldgena-Projekts oder von CODE41. Der heutige Betreiber ist im Handel mit VSF-Replikauhren tätig und mit vsf-kaliber.de verbunden. Die historischen Quellen beziehen sich auf das damalige Projekt und sind keine Empfehlung dieses heutigen Geschäfts.